{"id":836,"date":"2020-01-29T15:30:19","date_gmt":"2020-01-29T15:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.finatra.de\/blog\/?p=836"},"modified":"2020-02-05T10:29:55","modified_gmt":"2020-02-05T10:29:55","slug":"kryptowaehrungen-wertanlage-oder-zockerei-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.finatra.de\/blog\/2020\/01\/29\/kryptowaehrungen-wertanlage-oder-zockerei-2\/","title":{"rendered":"Kryptow\u00e4hrungen: Wertanlage oder Zockerei?"},"content":{"rendered":"<p>Auch 2019 war es f\u00fcr Inhaber von Kryptow\u00e4hrungen wieder eine wahre Achterbahnfahrt der Gef\u00fchle. Nachdem im Jahr 2017 die Kurse von Bitcoin &amp; Co. explodierten, 2018 der Crash kam, gab es 2019 bis Ende Juni eine imposante Rallye, ehe die gehandelten Preise wieder bis Dezember in Richtung S\u00fcden tendierten. Im neuen Jahr gab es im Januar den erneuten Turnaround und der Kurs stieg wieder an. Es stellt sich die Frage: Sind diese extremen Volatilit\u00e4ten ein normaler Prozess einer v\u00f6llig neuen Wertanlage oder bleiben Kryptow\u00e4hrungen auch langfristig ein reines Zockerparadies ohne jegliche Wertstabilit\u00e4t?<!--more--><\/p>\n<p>Um diese Frage beantworten zu k\u00f6nnen, muss der Zweck der erschaffenen Kryptow\u00e4hrungen in den Vordergrund gestellt werden. Die Kryptow\u00e4hrung mit der deutlich gr\u00f6\u00dften Marktkapitalisierung ist der Bitcoin. Er wurde mit dem Ziel entwickelt, als globales Zahlungsmittel zu dienen. Folgende Punkte sind typische Merkmale eines Zahlungsmittels, die im Hinblick auf den Bitcoin zu analysieren sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Staatliche Anerkennung als offizielles Zahlungsmittel: Als einziges wirtschaftlich bedeutendes Land hat Japan im Jahr 2017 den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. In den USA, der Eurozone oder China ist die Abneigung gegen\u00fcber der Kryptow\u00e4hrung sehr gro\u00df. Aus momentaner Sicht ist nicht zu erwarten, dass die Coins in den n\u00e4chsten Jahren als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt werden. In Deutschland werden die Transaktionen mit Bitcoins als privates Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft gesehen.<\/li>\n<li>Regulierte M\u00e4rkte: Ein gro\u00dfes Problem stellt die fehlende staatliche Regulierung und Kontrolle der privaten Krypto-B\u00f6rsen da. Die Folgen: Die organisierte Kriminalit\u00e4t benutzt den Bitcoin zur Geldw\u00e4sche, Trader versteuern ihre Gewinne nicht und sogenannte <a href=\"https:\/\/www.wallstreet-online.de\/nachricht\/11845427-135-million-us-dollar-bitcoin-wal-alarm-unbekannte-versenden-18-000-bitcoins\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bitcoin-Wale<\/a> manipulieren den Kurs der Kryptow\u00e4hrung.<\/li>\n<li>Vertrauen bei der Bev\u00f6lkerung einer Volkswirtschaft: Trotz des sinkenden Vertrauens in das Fiat-Geldsystem k\u00f6nnen die Kryptow\u00e4hrungen kaum davon profitieren. Es wird lieber Cash in Form von US-Dollar, Euro oder Yen gebunkert oder in Edelmetalle investiert, als in Bitcoin umzuschichten. Dies zeigt trotz der steigenden Bekanntheit von Bitcoin &amp; Co., dass die meisten B\u00fcrger den virtuellen Token weiterhin misstrauen.<\/li>\n<li>Hohe Liquidit\u00e4t, das hei\u00dft hoher Streubesitz: Ein sehr wichtiger Punkt f\u00fcr die Preisstabilit\u00e4t ist der Streubesitz. Die 1.000 Bitcoin-Adressen mit den meisten Coins sollen zwischen 35 % und 40 % aller verf\u00fcgbaren Bitcoins besitzen. Dies bedeutet eine enorme Konzentration und demensprechend eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr Kursmanipulationen. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.ccn.com\/bitfinex-controversy-bitcoin-price-manipulation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> zweier Universit\u00e4tsprofessoren in den USA soll der Hype 2017 sogar durch einen einzigen Bitcoin-Wal ausgel\u00f6st worden sein.<\/li>\n<li>Eine Volkswirtschaft mit seiner gesamten Arbeitskraft und Produktivit\u00e4t steht hinter der W\u00e4hrung: Solange die B\u00fcrger in der einer Volkswirtschaft f\u00fcr den Erhalt der jeweiligen Landesw\u00e4hrung arbeiten gehen und dabei reale Werte schaffen, hat diese W\u00e4hrung auch einen fundamentalen Wert. Dies bedeutet, wenn in der Eurozone die Menschen f\u00fcr Euros arbeiten gehen und damit Waren und Dienstleistungen produzieren, die einen Nutzen stiften und den Wohlstand erh\u00f6hen, dann hat der Euro auch einen inneren Wert. Bei Kryptow\u00e4hrungen ist diese Voraussetzung nicht erf\u00fcllt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei genauer Betrachtung des Bitcoins wird deutlich, dass die Kryptow\u00e4hrung die Voraussetzungen f\u00fcr ein Zahlungsmittel der Zukunft nicht erf\u00fcllt. Lediglich die Blockchain-Technologie, die hinter den Kryptow\u00e4hrungen steckt, hat gro\u00dfes Zukunftspotential in verschiedenen Wirtschaftssektoren. Wenn der urspr\u00fcngliche Zweck des Bitcoins nicht erreicht wird und kein fundamentaler Wert vorhanden ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr gro\u00df, dass der Bitcoin weiterhin das \u201egr\u00f6\u00dfte Casino der Welt\u201c bleibt. Adrenalin-Kick f\u00fcr Spekulanten ja, stabile Wertanlage nein.<\/p>\n<p>Wer trotzdem in Kryptow\u00e4hrungen investieren, sich aber kein Wallett anlegen will, kann entweder Futures kaufen oder sein Geld in sog. ETPs (Exchange Traded Products), die teilweise auch ETNs (Exchange Traded Notes) genannt werden, investieren. Diese bilden weitgehend den Kurs einer Kryptow\u00e4hrung oder den Verlauf eines Korbes mit mehreren Kryptow\u00e4hrungen ab. F\u00fcr Investoren, die die Zukunft eher in der Blockchain-Technologie sehen, sind verschiedene ETFs am Markt vorhanden, die auf die Aktien der entsprechend fokussierten Unternehmen setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch 2019 war es f\u00fcr Inhaber von Kryptow\u00e4hrungen wieder eine wahre Achterbahnfahrt der Gef\u00fchle. Nachdem im Jahr 2017 die Kurse von Bitcoin &amp; Co. explodierten, 2018 der Crash kam, gab es 2019 bis Ende Juni eine imposante Rallye, ehe die gehandelten Preise wieder bis Dezember in Richtung S\u00fcden tendierten. 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