{"id":734,"date":"2019-01-28T15:43:34","date_gmt":"2019-01-28T15:43:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.finatra.de\/blog\/?p=734"},"modified":"2020-02-05T10:29:56","modified_gmt":"2020-02-05T10:29:56","slug":"diskussionspunkt-bargeldverbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.finatra.de\/blog\/2019\/01\/28\/diskussionspunkt-bargeldverbot\/","title":{"rendered":"Diskussionspunkt Bargeldverbot"},"content":{"rendered":"<p>Das bargeldlose Zahlen wird weltweit immer popul\u00e4rer. Neben der Bezahlung per Kreditkarte erfreuen sich auch Bezahl-Apps auf dem Smartphone immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit. <!--more-->In China findet derzeit die gr\u00f6\u00dfte Dynamik statt. Mittlerweile haben sich dort \u00fcber 30 Startup-Firmen im Bereich E-Commerce als \u201eUnicorn\u201c etabliert, d. h. einen Marktwert von mindestens 1 Milliarde $ erreicht. Aber auch in Europa hat sich einiges getan. So hat z. B. London ein elektronisches Bezahlsystem f\u00fcr Stra\u00dfenmusiker eingef\u00fchrt. Der Vorreiter beim bargeldlosen Zahlen bleibt jedoch Schweden. Bereits heute werden 95 % der Transaktionen im Einzelhandel nicht mehr \u00fcber Scheine und M\u00fcnzen abgewickelt und nur noch wenige Banken bieten \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit an, Bargeld ein- oder auszuzahlen. Bis 2023 soll das Bargeld in Schweden komplett verschwinden. Ist diese Entwicklung auch in der Eurozone abzusehen? Im Schnitt werden hier noch 79 % aller Eink\u00e4ufe an der Ladenkasse mit Bargeld bezahlt.<\/p>\n<p>Aktueller Stand in der Eurozone<\/p>\n<p>Am 26. Januar wurde die Ausgabe von 500-Euro-Scheinen eingestellt und die Notenbanken beginnen damit, die sich im Umlauf befindlichen 500-Euro-Scheine einzuziehen. Die Ausnahme bilden die Deutsche Bundesbank und die \u00d6sterreichische Nationalbank, die erst Ende April diesen Prozess ansto\u00dfen wollen. Die sich im Umlauf befindlichen 500-Euro-Scheine bleiben jedoch weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel bestehen. Diese Tatsache allein sagt zun\u00e4chst nicht viel aus. Allerdings liefert die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Abschaffung reichlich Sprengstoff: Die EZB m\u00f6chte damit kriminelle Aktivit\u00e4ten wie Terrorfinanzierung, Geldw\u00e4sche und Schwarzarbeit eind\u00e4mmen. Falls die Abschaffung wirklich eine wirkungsvolle Ma\u00dfnahme in diesem Bereich darstellt, w\u00fcrde das Argument f\u00fcr ein komplettes Bargeldverbot der EZB quasi auf dem Silbertablett serviert.<\/p>\n<p>Wo liegen die Vor- und Nachteile eines Bargeldverbots?<\/p>\n<p>Die Hauptargument f\u00fcr ein Bargeldverbot liegt auf der Hand: Jede Transaktion findet elektronisch statt und wird damit von einer Finanzdienstleistungsgesellschaft, \u00fcber welche die Transaktion abgewickelt wird, dokumentiert. Die Zahlungsstr\u00f6me werden f\u00fcr den Staat transparent. Somit k\u00f6nnen alle Transaktionen auch auf einen kriminellen Hintergrund \u00fcberpr\u00fcft werden, wie z. B. bei den Themen Geldw\u00e4sche, Schwarzarbeit und Drogenhandel. Des Weiteren sinken in manchen Bereichen unseres Zahlungssystems die Kosten: Der Transport und die Aufbewahrung von Bargeld sowie die Aufstellung und \u00dcberwachung von Geldautomaten w\u00e4ren \u00fcberfl\u00fcssig. Auch die B\u00fcrger k\u00f6nnten davon profitieren, da sie bei der Abschaffung \u00fcberall mit der Kreditkarte (oder dem Smartphone) bezahlen k\u00f6nnten, d. h. auch morgens beim B\u00e4cker braucht sich niemand mehr Gedanken dar\u00fcber machen, ob noch gen\u00fcgend Bargeld in der Tasche vorhanden ist.<\/p>\n<p>Vieles spricht auf den ersten Blick f\u00fcr ein Bargeldverbot. Allerdings gibt es auch ein schwerwiegendes Gegenargument: Die B\u00fcrger m\u00fcssen ihr Geldverm\u00f6gen auf einem Bankkonto aufbewahren und k\u00f6nnen sich auch in Krisenzeiten diesem System nicht entziehen. Damit r\u00fcckt ein Gedanke in den Vordergrund, den die EZB bereits in einem kleinen Ma\u00dfe umgesetzt hat \u2013 negative Zinsen. Aktuell liegt der Einlagenzins, den die Gesch\u00e4ftsbanken bei der EZB f\u00fcr ihre \u00dcberschussliquidit\u00e4t zahlen m\u00fcssen, bei -0,4 %. Die meisten Gesch\u00e4ftsbanken haben den Negativzins an ihre Kunden nicht direkt weitergegeben, sondern versuchen diese Kosten auf andere Weise (z. B. \u00fcber Kontof\u00fchrungs- oder \u00dcberweisungsgeb\u00fchren) zu decken. Der einfache Grund ist die Angst davor, dass die Kunden ihr Erspartes lieber abheben und bei sich zuhause aufbewahren, als negative Zinsen zu zahlen. Bei einem Bargeldverbot k\u00f6nnte die EZB den Einlagenzins auf -2 % oder -3 % senken und die Gesch\u00e4ftsbanken diesen Negativzins direkt an ihre Kunden weitergeben.<\/p>\n<p>Weitere negative Aspekte: Bei technischen Problemen mit der Kreditkarte oder dem Leseger\u00e4t im Supermarkt k\u00f6nnen selbst allt\u00e4glichen Transaktionen wie z. B. die Grundversorgung mit Lebensmittel nicht vollzogen werden. Das gesparte Geld durch die geringeren volkswirtschaftlichen Kosten m\u00fcsste zum Teil auch f\u00fcr Cyberabwehr investiert werden. Zuletzt k\u00f6nnten sich andere Zahlungsmittel wie Edelmetalle oder ausl\u00e4ndische W\u00e4hrungen etablieren, die als physische Alternative gehandelt werden. Dann w\u00fcrde die organisierte Kriminalit\u00e4t in der Eurozone ihre Gesch\u00e4fte eben in US-Dollar oder britischen Pfund abwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das bargeldlose Zahlen wird weltweit immer popul\u00e4rer. 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